Ostern. Auferstehung Jesu. Als getaufte Christin überlege ich, was heute für mich auferstanden sein könnte. 

Auch die Bedeutung des jüdischen Pessach­festes – die Befreiung der Israeliten aus der Sklaverei nach dem Zweiten Buch Mose und da­mit die Verbindung einer jeden Generation mit der Befreiungserfahrung – ist dazu an­getan, mir Gedanken darüber zu machen, was mich befreien könnte. 

Und was ist aufge­taucht? Besonnen – als Wort. Auf einmal lag es auf den Lippen, sprudelte aus dem Herzen, in der Waagschale meines Gedankenblitzes be­gleitet von uner­schütterlichem Erstaunen. 

Was für ein wunderschönes Wort! Nicht nur Wärme und Licht, Gelassenheit und Ruhe, Muße und Zugewandtheit birgt es für mich – ich lerne über Google durchaus freudig von klu­gen Männern dazu: Für Sokrates bedeutet Be­sonnenheit, das Seine zu tun und damit das Gute zu tun. Und weiter sei damit eigentlich die ‚Gesundheit des Zwerchfells‘ gemeint, in dem der Sitz der Seele vermutet wurde.

Für Platon zählt sie neben der Ge­rechtig­keit, der Tapferkeit und der Klugheit zu den vier Kardinaltugenden; für Konfuzius ist sie eine der zentralen Ideale; für Epi­kur die Voraussetzung für Seelenfrieden. Und für Johann Gottfried Herder ist Besonnenheit „ein menschlicher Zustand, der gleichbedeu­tend mit Reflexion ist und daher zum ersten Mal frei wirkend die Sprache erfunden habe“. Genau, das ist es. Heute überraschend in meiner Sprachwelt aufgefunden und in der Tat wirkend – und dabei ein wenig auferstehend und befreiend.