MONOLOG

Ich bin da, wo du nicht bist
Ich will wo hin, wo du vermutlich gar nicht sein magst
Ich will noch weiter gehen, mit offenem Visier,
Mich verwunder- und verwundbar halten
Ich will da sein, wo es pulsiert – nackt vor mir.

Zumindest nehm‘ ich das an
Das verrät dein Gesicht,
Deine Gedanken, wie du sie sprichst,
Verschweigte Gefühle schwirren umher.
Du redest sowieso eher wenig
Und manchmal mehr davon
Ist schwer – vorrangig starr
So vieles ist flächig, 
Greift nach mir im blanken Weiß
Keine Farbe, die blitzt in den Augen
Keine Buntheit im Ornament
Seichte Firnis, die schmerzt.
Schmerzt sie auch dich?

Ich bin da, wo du nicht bist
Ich will wo hin, wo du vermutlich gar nicht sein magst.
Ich will noch weiter gehen, mit offenem Visier,
Mich verwunder- und verwundbar halten
Ich will da sein, wo es pulsiert – nackt vor mir.

Ich kann’s nicht mehr halten
Kann damit nicht sein
Und will’s nicht haben
Will vielmehr Wind hinein.
Es zerreißt mir die Wand,
Die ich so lange noch aufrecht hielt.
Mir fehlen schon ewig
Die Kraft, die Lust und der Wille
Bald aber nimmer der Mut,
Einfach zu sagen:

Ich bin da, wo du nicht bist
Ich will wo hin, wo du vermutlich gar nicht sein magst
Ich will noch weiter gehen, mit offenem Visier,
mich verwunder- und verwundbar halten
Ich will da sein, wo es pulsiert – nackt vor mir.

Ich spür‘ dein Verzagen, 
Mitunter Bemühen,
Ich spür‘ deine Grenzen, 
Sind sie verfasstes Gesetz?
All diese Fragen, frag ich auch dich
Wieder und wieder 
Fast ein jedes Mal.
Bin’s leid sie zu stellen,
Doch denk‘ ich sie oft,
Und kehr sie zu mir.

Ich bin da, wo du nicht bist
Ich will wo hin, wo du vermutlich gar nicht sein magst
Ich will noch weiter gehen, mit offenem Visier,
Mich verwunder- und verwundbar halten
Ich will da sein, wo es pulsiert – nackt vor mir.

Genau hier bin ich
Heute und jetzt 
Das ist, wo ich hinwill 
Hin will – zu mir.
Ob‘s leicht ist? 
Warum sollt‘ es so sein!
Kein Schatten wiegt sanft.
Ob‘s mir gelingt?
Kann’s dir nicht sagen,
Aber ich wiederhol’s gern hier:

Ich bin da, wo du nicht bist
Ich will wo hin, wo du vermutlich gar nicht sein magst
Ich will noch weiter gehen, mit offenem Visier,
Mich verwunder- und verwundbar halten
Ich will da sein, wo es pulsiert – nackt vor mir.

Der Weg führt schnurstracks zum Herz – 
Flankiert von der Mitte, die schmerzt.
Sie schmerzt seit Jahren 
Hin und wieder ganz arg.
Letztlich zieht’s mich nur weg
Und draußen ist’s lau – 
Kontrastreich zum lodernden Innern.
Nun – es ist, wie es ist, 
Lässt sich rückwärts nicht ändern, 
Aber nach vorne gestalten.
Es wandelt sich hin – verbunden im Hier.

Ich bin da, wo du nicht bist
Ich will wo hin, wo du vermutlich gar nicht sein magst
Ich will noch weiter gehen, mit offenem Visier, 
Mich verwunder- und verwundbar halten
Ich will da sein, wo es pulsiert – nackt vor mir.

Im März 2021 ©BettinaDornberg