Mit Hausarrest hatten meine Eltern in meiner Kindheit und Jugend eine der treffendsten Strafen gesucht, gefunden und immer wieder auch verhängt. Für was? Daran kann ich mich wiederum nicht erinnern. 

Klar war nur: Kein Klettern auf Bäume, kein Versteckspielen in unserem „Geheim“, kein Rennen, Atmen, Sein; keinen Kontakt zu mei­nen Freundinnen und Freunden. Nur pflicht­bewusst zum Klavierun­terricht und umgehend wieder nach Hause – das sollte sein. 

Dies traf mich bis ins Mark – das ist ein Klischee. Ja, mag sein, aber die Strafe war wirklich wirkungsvoll. Denn Hausarrest war gleichbedeutend, dem Dunk­len, dem Schweren daheim nachmittags nicht entfliehen zu können. Vermutlich liebte ich auch deswegen die Schule, aber das ist ein anderes Thema. 

Und das äußere Bewegungs- und Kontaktverbot verschmolz zu einer bewegungsunfähigen Starre – angefüllt mit Worten, die ich nicht verstand und die mir Angst machten. 

Das ist lange her. Ja, und trotzdem wurde es leben­dig, als ich die Tage trotz wunder­schönstem Wetter nicht raus bin aus meiner Wohnung. Ganz offensichtlich habe ich mir selbst Hausarrest auferlegt – und die Frage, für was ich mich da etwa bestraft haben könnte, will mir auch heute noch nicht ein­fallen.